Viele kennen, vor allem in den warmen Sommermonaten, die Beschwerden durch müde Beine, die sich abends schwer anfühlen, geschwollene Knöchel und brennende oder stechende Schmerzen in Waden und Kniekehlen. Zusammen mit nächtlichen Fuß- und Wadenkrämpfen und den ersten sogenannten „Besenreisern“, kleinen bläulich-rötlich an den Beinen sichtbaren Blutgefäßen, sind dies die ersten Anzeichen für eine venöse Gefäßerkrankung. Studien zufolge sind über die Hälfte der deutschen Bevölkerung von der sogenannten Varikosis, im Volksmund auch Krampfadern bezeichnet betroffen.

Meist verlaufen die Beschwerden langsam und schleichend, wobei die Symptome bei Wärme und insbesondere in der warmen Sommerzeit verstärkt wahrgenommen werden. Mit der Zeit und zunehmendem Alter können diese aber rasant zunehmen, bis hin zu ernsthaften Folgen wie Entzündungen, Geschwüren oder Blutgerinnselbildung. Deshalb sind eine frühzeitige und effektive Behandlung und vor allem ein venengesunder Lebensstil enorm wichtig!

Wie entstehen Krampfadern?

Unser Blutkreislaufsystem besteht aus unterschiedlichen Gefäßarten. Grob gesagt führen Arterien sauerstoff- und nährstoffreiches Blut vom Herzen weg zu allen Organen, die Venen transportieren das sauerstoffarme Blut wieder von dort zurück zum Herzen. Besonders anspruchsvoll ist diese Arbeit für unsere Beinvenen, weil diese entgegen der Schwerkraft pumpen und das Zurücksacken des Blutes verhindern müssen. Bewältigt wird dies vor allem durch zwei ausgeklügelte Mechanismen: den Muskelpumpen in Fußsohlen und Beinen und Venenklappen im Inneren der Blutgefäße. Bei ausreichender Bewegung bzw. Muskeltätigkeit der Beine werden die zwischen den Muskeln liegenden Venen komprimiert (zusammengedrückt) und dadurch aktiv Blut nach oben gepresst, bei Entspannung entsteht in der Folge eine Sogwirkung, die das Blut weiter in Richtung Herz saugt. Damit dieses auch nicht wieder zurückfließt verhindern die Venenklappen wie Ventile den Rückstrom in die unteren Beinabschnitte.

Verschiedene Risikofaktoren können dazu führen, dass dieses System nicht mehr ausreichend gut funktioniert und das venöse Beinsystem mit der Zeit überlastet wird.

Hauptursachen sind häufiges und langes Sitzen und Stehen kombiniert mit mangelnder Bewegung. Dadurch staut sich verstärkt Blut in den Beinvenen, welches nichtmehr ausreichend nach oben gepumpt wird. Die Folge ist eine krankhafte Dehnung und Erweiterung der Venengefäße, welche dazu führt, dass die Venenklappen nicht mehr ausreichend schließen und dadurch ihre Ventilfunktion nicht mehr erfüllen können. Diese überdehnten, erweiterten Venen sind dann oberflächlich als bläulich geschlängelte Krampfadern sichtbar.

Nicht nur ein kosmetisches Problem!

Obwohl Krampfadern meist anfangs vor allem als kosmetisch störend empfunden werden, sollten sie als Warnzeichen ernst genommen und frühzeitig behandelt werden. Durch die chronische Blutstauung werden die  Venenwände nachhaltig geschädigt und durch den verminderten Blutstoffwechsel das umliegende Gewebe nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Resultat sind bleibende Haut- und Gewebsschäden mit dem Risiko von akuten Entzündungen, Geschwüren bis hin zu Gerinnselbildung.

Risikofaktoren vermindern und die Venengesundheit aktiv unterstützen:

Einer der Hauptrisikofaktor für Venenbeschwerden, nämlich ein schwaches Bindegewebe, welches die Venenwände nicht ausreichend von außen stützt, ist meist erblich bedingt und lässt sich nur bedingt beeinflussen. Unterstützend kann das Bindegewebe durch regelmäßige Kneipp`sche Anwendungen, kalte Güße und Bürstenmassagen und die kurmäßige Einnahme homöopathischer Mittel gekräftigt werden. Eine bindegewebsfreundliche Ernährung mit reichlich Flüssigkeit und vielen Basenlieferanten wie frischem Obst und Gemüse kommt auf Dauer auch der Venengesundheit zu Gute. Bei chronischen Beschwerden das Mittel der Wahl und unverzichtbar sind gut sitzende Stütz- oder Kompressionsstrümpfe, die von außen einen Widerstand und eine Stütze bieten und so ermöglichen, dass die Venenklappen wieder richtig schließen können. Stützstrümpfe können vorbeugend bei längerem Stehen oder auf Reisen für wohltuende Entlastung sorgen, Kompressionsstrümpfe werden dagegen therapeutisch bei bestehenden Venenerkrankungen eingesetzt und sind auch auf Rezept erhältlich. Sie werden individuell in der Apotheke angepasst und für den einzelnen Patienten bestellt. Insbesondere in der Schwangerschaft, wenn das Bindegewebe hormonell bedingt aufgelockert ist, spielen diese Ratschläge und eine passgenaue Kompressionstherapie eine wichtige Rolle.

Grundsätzlich sollte durch eine ausgewogene Ernährung Übergewicht verhindert bzw. abgebaut werden, da auch dieses das Bindegewebe und das venöse System belastet. Zuviel Alkohol und Rauchen schädigen die Blutgefäße und gelten als weitere Einflussfaktoren, die  vermieden werden sollten.

Flache Schuhe und regelmäßiges Barfußgehen unterstützen die Muskelpumpe, hohe Absätze und einschnürende, enge Kleidung sind dagegen kontraproduktiv.

Wärme durch Bäder, Saune und Sonne führt zu einer Erweiterung der Gefäße und verstärkt die Beschwerden. Kalte Anwendungen wie Wassertreten, kalte Güsse und Auflagen bringen rasch Entlastung und Erleichterung.

Bewegung  ist das A und O um langfristig Venenbeschwerden vorzubeugen, wohingegen langes Sitzen und Stehen den Verlauf rasch ungünstig beschleunigen kann. Steh- und Sitzberufler sollten möglichst häufig kurze Strecken gehen oder ihre Muskulatur mit Hilfe spezieller Venengymnastik-Übung in Gange halten. Eine einfache Methode ist regelmäßiges Anspannung der Muskulatur der Beine von unten nach oben (Venenpumpe), z.B. immer dann, wenn das Telefon klingelt oder eine neue Mail im Postfach ankommt, aber auch ein Fußbänkchen mit beweglicher Fußauflage oder eine Faszienrolle für die Füße unter dem Schreibtisch. Optimale Sportarten für gesunde Venen sind Schwimmen, Laufen oder Radfahren.

Regelmäßig sollten die Beine hochgelagert und damit der Blutrückfluss unterstützt werden.

Unterstützend können dabei kühle Wickel angelegt werden, welche insbesondere an heißen Tagen eine große Wohltat sind.

Venenwickel

Material:

Für einen entlastenden, abschwellenden Venenwickel benötigt Ihr entweder eine dreiteilige Kombination aus Wickeltüchern, bestehend aus einem Innentuch (optimal aus unbehandeltem Leinen), einem Zwischentuch (aus Baumwolle, etwas größer als das Innentuch) und einem Außentuch zum fixieren (aus Baumwolle oder Wolle, z.B. ein Molton-oder Frotteehandtuch oder ein knielanger Wollstrumpf). Ideal und unkompliziert sind die fertigen Wickel und Wickelsets aus der Manufaktur Wickel&Co®, welche mit der langjährigen Erfahrung der Autorin und Wickelexpertin Ursul Uhlemayer konzipiert und aus streng ökologisch produzierten und hergestellten Naturmaterialien gefertigt sind. Die anwendungsfertigen  Wickel bestehen aus den benötigten drei Wickeltüchern, wahlweise mit einem Außentuch aus Baumwolle oder Schafschurwolle (Woll-fühl®-Wickel)

Durchführung:

Der Venenwickel wird feucht-kühl angelegt, dazu wird das Innentuch entweder in ca. 25°C kühlem Wasser, nach Belieben mit Zusatz von Arnikatinktur, Essig, Heilerde oder Retterspitz äußerlich) getränkt, leicht ausgewrungen und dann straff im Zug-Gegenzug-Verfahren um das Bein gewickelt. Anschließend wird das Zwischentuch in gleicher Weise angelegt und der Wickel mit dem Außentuch straff, aber nicht zu eng fixiert. Die Beine werden entspannt hochgelagert und der Wickel ca. 10-15 Minuten, bis er anfängt zu trocknen, belassen.  Alternativ und vor allem bei akuten Beschwerden kann das Wickeltuch auch mit Quark oder Heilerdebrei, auch hier nach Belieben mit Zusatz von ätherischen Ölen oder Aromamischungen bestrichen und der Wickel abgenommen werden, wenn er beginnt sich zu erwärmen.

Wichtig ist eine entspannte Nachruhe von mindestens 30 Minuten. Die Beine können nach dem Wickel unterstützend noch mit geeigneten Aromamischungen gepflegt und die Wirkung unterstützt werden.

WF_Venen_Wadenwickel (c) wickel&co

WF_Venen_Wadenwickel (c) wickel&co

Aromamischungen:

Zur Pflege und Entlastung bei schweren, dicken Beinen haben sich verschiedene Zubereitungen aus ätherischen Ölen vielfach bewährt.

Das krautig duftende Lavendel-Zypressen-Öl bzw. Lavendel-Zypressen-Öl kühlend wird täglich morgens und abends herzwärts auf die vorher angefeuchteten Beine einmassiert. Zum Befeuchten, wie auch zur erfrischenden Pflege zwischendurch eignen sich besonders das krautige Lavendelhydrolat, das klärend-frische Myrtenhydrolat oder das krautig-frische Pfefferminzhydrolat.

Auch als Salbenkompresse und zur Anwendung im Venenwickel eignet sich das Lavendel-Zypressen-Öl hervorragend. Es kann entweder vor dem Anlegen des feuchten Innentuchs direkt auf die Haut aufgetragen oder in Quark oder Heilerdebrei (ca. ½ TL Öl pro EL) eingearbeitet werden.

Bei akuten Beschwerden helfen die wohltuenden Hautsprays Kräuterkorb oder Immortelle-Akut-Spray, die mehrmals täglich und vor allem vor dem Anlegen einer Aromaöl- oder Salbenkompresse angewendet werden können.

Der intensiv krautig duftende Hamamelis-Myrte-Balsam wirkt wohltuend pflegend und zusammenziehend bei gestauten Gefäßen. Er wird 1-2 Mal täglich auf die befeuchteten Hautstellen aufgetragen oder für intensiv wirkende Auflagen pur oder mit Quark vermischt angewendet. Besonders bei schmerzhaft hervortretenden Venen im Bereich der Kniekehlen ist diese Anwendungsform äußerst hilfreich.

Heilpflanzen:

Im Bereich der Naturheilkunde sind sich darüber hinaus einige Pflanzen unterstützend erfolgreich, die entweder als Tee oder in Form von Fertigpräparaten eingenommen oder äußerlich angewendet werden können:

Buchweizen (Fagopyrum esculentum) der als Kraut mit seinen Bioflavonoiden antioxidativ, entzündungshemmend, durchblutungsfördernd und gefäßstabilisierend wirkt. Er wird innerlich als Tee oder Fertigarzneimittel eingenommen.  Enthalten ist er beispielsweise in unserer Teemischung „Venentee“, welche sehr gut auch unterstützend bei Venenbeschwerden in der Schwangerschaft getrunken werden kann.

Mäusedorn (Ruscus aculeatus) wird als Wurzel traditionell innerlich angewendet und ist in Form von Fertigpräparaten und auch als Bestandteil in unserem „Venentee“ erhältlich. Er wirkt gefäßabdichtend und entzündungshemmend sowie tonisierend auf die Venen.

Rosskastanie (Aesculus hippocastanum) enthält in ihren Samen zahlreiche Wirkstoffe, die die Venengefäße abdichten und stabilisieren und die Durchblutung der Kapillargefäße verbessert. Als DIE Heilpflanze bei venösen Beschwerden ist sie sowohl zur äußerlichen Anwendung als auch als einzunehmende Fertigarzneimittel erhältlich. Selbstverständlich darf auch diese Pflanze nicht in unserem “Venetee“  fehlen.

Steinklee (Melilotus albus) wird als Kraut in genau abgestimmter Menge als entzündungshemmende und lymphabflussfördernde Heilpflanze in Teemischungen eingesetzt. Ganz besonders erfolgreich ist er in Kombination mit Buchweizen, da die wirksamen Inhaltsstoffe sich in ihrer gefäßschützenden Wirkung potenzieren. Auch deshalb haben wir ihn bewusst in pharmazeutischer Dosierung in unsere Teemischung „Venentee“ integriert.

Weinlaub, rotes (Vitis vinifera) wirkt schützend und stabilisierend auf die venösen Gefäßwände und zudem antioxidativ und entzündungshemmend. Es steht auch in Salben zum äußerlich Auftragen sowie als innerlich einzunehmendes Arzneimittel zur Verfügung.

Wichtig bei pflanzlichen Präparaten ist zu wissen, dass die Phytopharmaka ihre Wirkung meist erst nach einiger Zeit und bei regelmäßiger Anwendung zeigen. Lasst Euch dazu unbedingt  in der Apotheke fachlich beraten!

 

Zu guter Letzt noch ein einfach zu merkender und doch so wertvoller Merksatz für frische und gesunde Beine:

3S-3L-Regel:

Statt Sitzen und Stehen lieber Liegen und Laufen!

 

Ich wünsche Euch sonnig-warme Sommertage mit frischen, leichten Beinen!

Weiterführende Literatur und Quellenangaben:

Ingeborg Stadelmann, Dietmar Wolz: Ganzheitliche Therapien in Schwangerschaft, Wochenbett und Stillzeit. Deutscher Apotheker Verlag  ISBN 978-3-7692-5123-4

Ingeborg Stadelmann: Aromatherapie von der Schwangerschaft bis zur Stillzeit. 4. überarbeitete und erweiterte Auflage Stadelmann-Verlag ISBN 978-3-943793-37-6

Ursula Uhlemayr, Dietmar Wolz: Wickel und Auflagen, Beratung, Auswahl und Anwendung. Deutscher Apotheker Verlag ISBN 978-3769259889

Ursel Bühring: Praxis-Lehrbuch der modernen Heilpflanzenkunde, Grundlagen – Anwendung – Therapie. Medizinverlage Stuttgart ISBN: 978-3830490975

 

Teilen auf: